„HILFE – Wir haben geholfen“ – Ernst Giering berichtet von seinen Hilfseinsätzen in Hamburg und Skopje

von Alexandra Feinler
Mit großer Begeisterung berichtete Ernst Giering am Sonntag von zwei doch so ernsten Erlebnissen. Das Gründungsmitglied des DRK Ortsvereins Wittendorf half nach der Flut in Hamburg und nach dem Erdbeben im jugoslawischen Skopje, die Bevölkerung zu verpflegen. Zahlreiche Fotos bekamen die unzähligen Gäste am Sonntagnachmittag im DRK-Heim in Wittendorf zu sehen.

Vorsitzender Walter Morlock begrüßte die Gäste zum letzten Vortrag im Jahr 2017. Unter dem Motto „Hilfe, wir haben geholfen!“ zeigte Ernst Giering, was  er 1962 und 1963 mit dem DRK-Hilfezug alles erlebt hatte.

Nach seinem Erste-Hilfe-Kurs ließ er sich 1960 an der DRK-Landesschule in Pfalzgrafenweiler fortbilden. Von da an gehörte er der Hilfezugstaffel Baden-Württemberg. Frisch ausgebildet, wurde er zusammen mit einigen DRK-Helfern 1962 um Hilfe gebeten. Nach der Sturmflut, die Hamburg und das Umland stark verwüstet hatte, wurde jede helfende Hand benötigt.

Ernst Giering erinnert sich noch ganz genau, wie das Wasser am LKW hochspritzte, wenn man durch die völlig überfluteten Straßen fuhr. „Wenn ich die Erfahrung, die ich heute habe, schon damals gehabt hätte, dann wäre ich da sicherlich nicht durchgefahren“, beschrieb er die große Gefahr. Aber man wollte den Menschen vor Ort so schnell wie möglich helfen. In Hamburg-Harburg hätten die DRK-Helfer in einer Halle auf einer Luftmatratze geschlafen.

Die ersten Tage hätten sie in den umliegenden Gebäuden und Unternehmensanwesen nach Essbarem gesucht. Alles, was unter Wasser war, durfte nicht mehr verwendet werden. Was aber in Dosen über Wasser gelagert wurde, konnte noch drei Tage nach der Flut verarbeitet werden. Daher tickte die Zeit.

Es war frisch und daher wärmten sich die Helfer mit Tee auf. „Abends gab es für die Helfer auch einen Funkertee“, beschrieb Ernst Giering, dass im Tee etwas Rum war. Einmal sei er morgens mit den Stiefeln an den Füßen aufgewacht, weshalb er anmerkte: „Da war wohl etwas mehr Rum drin.“

Besonders hart war für ihn die Zeit in Hamburg, weil er frisch verheiratet war. Trotzdem brachte sich der DRK-Helfer mit großem Herz ein. Unzählige Stunden am Tag wurde für die Notleidenden gekocht.

Ein Jahr später wurde Ernst Giering mit dem DRK nach Skopje gerufen, wo nach einem starken Erdbeben die ganze Region verwüstet war und die Bevölkerung versorgt werden musste. Mit dem Zug ging es nach Stuttgart, wo die Privatkleidung abgelegt wurde. „Danach haben wir nur noch diese Kleidung getragen“, erinnert sich Ernst Giering an die graue DRK-Kleidung mit dem Kreuz am Arm.

Einige Fotos von der Zugfahrt nach Jugoslawien zeigten die idyllische Landschaft, bevor die Helfer im Katastrophengebiet ankamen. „Wir wurden von einem Kameramann begleitet. Der hat mir einen Film geschenkt, weil ich sein Gepäck getragen habe“, berichtete Ernst Giering, dass Fotos damals teuer waren. Die Zuschauer in Wittendorf profitierten von diesem Zufall und konnten zerstörte Gebäude, Behelfsunterkünfte und Feldküchen-Landschaften sehen.

Einen Moment war es ganz still im DRK-Raum. Ernst Giering zeigte ein Casino-Gebäude, das auf der einen Seite komplett zusammengebrochen war. „Da wäre am nächsten Tag ein Fest gewesen. In der Küche liefen die Vorbereitungen dafür. Man hat das ganze Küchenteam gesucht und nach drei Tagen in den Trümmern gefunden“, beschrieb der DRK-Helfer. Die Zuschauer in Wittendorf fragten nach, ob jemand lebend geborgen wurde, doch Ernst Giering konnte nur verneinen. Kaum ein Verschütteter sei nach dem Erdbeben lebend geborgen worden.

Viele Menschen hatten alles verloren, was sie hatten. Daher sei die Bevölkerung sehr dankbar für die Hilfe des DRK gewesen. Ernst Giering zeigte Anlieferungen von geschlachteten Schafen. Riesige Mengen wurden verarbeitet. Einmal sei die Rede von 2000 bis 9000 Essen pro Tag gewesen. „Ich weiß es aber nicht mehr genau“, berichtete Ernst Giering, dass das alles schon rund 55 Jahre her sei.

Manchmal habe ihn auch das Heimweh gepackt. Eine Schwaben-Aktion war daher, sich einen Braten mit Spätzle und Grombiera-Salat am Sonntag zuzubereiten. Zahlreiche Erfahrungen habe er aus den beiden Hilfseinsätzen mitgenommen. Mit starkem Applaus dankten dem Ehrenmitglied dafür, dass er diese Eindrücke mit ihnen geteilt hatte.